Das VBS im Tetris-Modus: Wie Pfister die Armee kauft – und was dabei schief geht
- Yannick Güttinger

- 3. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Mai
Das VBS hat die 3,4 Milliarden Franken teure Armeebotschaft 2026 mehrfach korrigieren müssen. Das Patriot-Instandhaltungspaket von 490 Millionen Franken wurde eingebaut, dann gestrichen. Der F-35-Zusatzkredit war im Dezember «nicht nötig» – im März war er drin. Die neue Armeepistole P320 von SIG Sauer verschwand, tauchte wieder auf, und steht in der finalen Botschaft als «Pistole 26» – ohne Typnamen, obwohl der Typ im Dezember kommuniziert worden war.
Das sind keine Randnotizen. Das ist die Architektur eines 3,4-Milliarden-Dokuments, das der Bundesrat im März verabschiedet hat.
Wie der «Bundeshaus Insider» berichtete, fehlt der Schweiz eine Langstrecken-Luftverteidigung bis mindestens 2034. Der Bundesrat hat seit Wochen kein gesichertes Finanzierungsmodell. Und jetzt zeigen interne Dokumente, wie das VBS intern arbeitet: in einem Tetris-Modus, bei dem Blöcke verschoben werden, bis die Zahlen aufgehen.
Die Akteure
Das Patriot-Paket wurde gestrichen, weil klar wurde: Die Systeme kommen frühestens 2034. Kein Instandhaltungspaket nötig, das 2027 startet. Warum das erst nach der Ämterkonsultation erkannt wurde – Antwort des VBS: «Erst am 25. Februar erste konkretere Informationen» aus Washington.
Das entstandene Budgetloch nutzte das VBS, um den F-35-Zusatzkredit einzubauen: 394 Millionen Franken. Im Dezember noch als «nicht nötig» bezeichnet.¹ Die Finanzverwaltung mahnte zur «Zurückhaltung» – der ursprüngliche Antrag belief sich auf 433 Millionen.Und die Pistole: Das VBS sagt, die P320 wurde «ergänzend» aufgenommen. Warum ohne Typbezeichnung? Weil die Waffe nach Tests als «nicht truppentauglich» eingestuft wurde – und eine Nachqualifikation noch aussteht. Man wollte Handlungsspielraum behalten, falls die
Qualifikation scheitert.
Szenarien
Wenn das Parlament die Botschaft ohne Anpassungen annimmt: Das VBS erhält 3,4 Milliarden. Davon 50 Millionen für eine Pistole, deren Tauglichkeit unsicher ist. Und 394 Millionen als Zusatzkredit für Kampfjets, obwohl der Bundesrat im Dezember noch das Gegenteil kommuniziert hatte.
Wenn das Parlament eingreift – Pistole streichen, Drohnenabwehr aufstocken: In der Ständeratskommission scheiterten solche Anträge bereits knapp. Die bürgerliche Mehrheit hat keine Lust auf Detailkorrektur.
Diagnose
Das VBS ist überfordert. Das ist keine Bosheit. Es ist das Ergebnis eines Systems, das jahrelang zu wenig investiert hat – und jetzt unter Zeitdruck seriöse Entscheide treffen soll. Ueli Maurer hat es Ende April so formuliert: Die Schweiz habe «kein Konzept, keine Strategie».
Heute zeigen die Dokumente: Die Strategie ist da. Sie heisst Tetris. Blöcke schieben, bis es passt. Und wenn es dann immer noch nicht passt, nennt man die Pistole einfach «Pistole 26».
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