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Die Schweiz hat keine Luftverteidigung. Sie weiss es. Und handelt trotzdem nicht.

Aktualisiert: 5. Mai



Fünf Patriot-Systeme sollten die grösste Lücke in der Schweizer Luftverteidigung schliessen. Die USA hätten sie zwischen 2026 und 2028 liefern sollen. Sie kommen frühestens 2034. Der Bundesrat weiss das seit Monaten. Er tut zu wenig – und innerhalb des Bundesrats blockiert ausgerechnet das Finanzdepartement die Lösung.


Die Fakten: Die Schweizer Armee verfügt heute über zwei veraltete Luftabwehrsysteme: 35-Millimeter-Fliegerabwehrkanonen aus den 1960er-Jahren und das Stinger-System aus den 1990er-Jahren. Damit lassen sich Kampfhelikopter abschiessen. Marschflugkörper, Hyperschallraketen und Drohnen – nicht.


Die Details: Der Bundesrat hat deshalb das französisch-italienische System Samp/T als Alternative ins Auge gefasst. Hersteller Eurosam hatte am 14. Februar 2026 bestätigt, liefern zu können — zwei Wochen vor Ausbruch des Iran-Krieges. Seitdem ist die Nachfrage nach dem europäischen Patriot-Ersatz explodiert. Ob die Schweiz noch rechtzeitig einen Platz auf den Bestelllisten sichern kann, ist offen.


Als Übergangslösung sind Iris-T-Systeme für mittlere Distanz bestellt — Lieferung zwischen 2028 und 2031. Das schliesst die Langstrecken-Lücke nicht.


Das Finanzdepartement von Karin Keller-Sutter (FDP, EFD) hat im Bundesrat gegen die sogenannte Zwei-System-Strategie opponiert: Zwei unterschiedliche Systeme parallel zu betreiben sei «höchst ineffizient». Das ist die Position einer Behörde, die Effizienz über Resilienz stellt – in einem Sicherheitsmarkt, in dem Dänemark gleichzeitig bei mehreren Herstellern kauft und Europa insgesamt aufrüstet.


Der Haken: Die Armee braucht sofort Geld – Schätzungen gehen von mindestens zwei Milliarden Franken aus – um sich Lieferplätze auf dem überhitzten Rüstungsmarkt zu sichern. Das kann nicht warten, bis das Parlament die MWST für die Armeefinanzierung erhöht hat. Auf überfüllten Bestelllisten gilt: Wer nicht vorauszahlt, wird nicht bedient.


Das Parlament hat die Frage des Finanzierungswegs noch nicht gelöst. Die Mehrwertsteuer-Erhöhung für die Armee – das Projekt von Verteidigungsminister Martin Pfister (Mitte, VBS) – hat im Bundesrat bisher keine Mehrheit. Damit fehlt nicht nur der politische Wille. Es fehlt auch die Finanzierungsgrundlage.


Meine Beurteilung: Karin Keller-Sutter hat im März 2023 die Credit Suisse über ein Wochenende gerettet. Das war ein Husarenstück. Aber ein Angriff auf kritische Infrastruktur wartet nicht auf ein Wochenende. Wer dann entschieden handeln will, braucht Systeme, die bereits einsatzbereit sind.


Die Schweiz hat seit der russischen Annexion der Krim 2014 zwölf Jahre Zeit gehabt aufzurüsten. Sie hat es nicht getan. Das ist keine Pechsträhne. Das ist eine Entscheidung.


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