Das Schweigen der Mitte Schweiz über Dittli hat einen Namen: FDP
- Yannick Güttinger

- 5. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Mai
Offiziell schweigt die Mitte Schweiz zur Affäre Dittli. «Eine kantonale Angelegenheit», sagt Parteipräsident Philipp Matthias Bregy, Kanton Wallis. Inoffiziell sagen mehrere Mitte-Parlamentarier etwas anderes: Die Angriffe auf Valérie Dittli seien eine Operation des PLR – gezielt, um die Mitte im drittgrössten Kanton zu schwächen und den nationalen Bundesratssitz-Kampf zu beeinflussen. Das ist eine andere Geschichte als eine kantonale Affäre.
Die Fakten: Wie der «Bundeshaus Insider» berichtete, hat die Mitte Waadt Dittli nach der Rücktrittsresolution (72 zu 5 Stimmen im Kantonsrat) das Vertrauen ausgesprochen – für die Fortsetzung ihrer Amtszeit bis Februar 2027. Eine Ersatzwahl würde der Linken Chancen eröffnen. Das ist das Kalkül, das den Sitz vorerst sichert, nicht die Loyalität gegenüber einer Kollegin.
Die Details: Der Staatsrat Waadt beschreibt das Vertrauensverhältnis mit Dittli als «beeinträchtigt» – arbeitet aber weiter mit ihr. FDP und SVP schliessen eine Zusammenarbeit aus. Und doch: Niemand will eine Ersatzwahl riskieren.
Was das 24 Heures-Stück heute hinzufügt, ist die nationale Ebene. Mehrere Mitte-Parlamentarier sagen hinter vorgehaltener Hand: Der PLR fürchte den Mitte-Anspruch auf einen zweiten Bundesratssitz. Dittli schwächen heisse die Mitte Waadt schwächen – und damit die nationalen Ambitionen der Partei bremsen. «Die Angriffe gegen Dittli sind eine Manöver der FDP», sagt ein Centriste direkt. «Die Partei hat so grosse Angst, dass wir ihr den zweiten Bundesratssitz wegnehmen, dass sie uns überall zu schwächen versucht, wo sie kann.»
Das Waadtländer Kalkül ist dabei eindeutig: Die Kantonspartei sitzt im Grossen Rat nur mit einem einzigen Sitz. Das eigentliche Ziel ist nicht der Staatsrat – es ist die Verstärkung der Bundeshausdelegation bei den eidgenössischen Wahlen 2027 in der Proporz-Abstimmung. Der Staatsratssitz von Dittli ist, wie ein Parlamentarier klipp und klar formuliert, weniger wichtig als der Nationalratssitz von Isabelle Chappuis, der einzigen Mitte-Vertreterin in Bern.
Und dann ist da Isabelle Chappuis selbst – auf Anfrage des tdg.ch ohne Kommentar. «Als Gewählte der Mitte Waadt ist es nicht an mir, mich zu äussern.»
Der Haken: Die Interpretation, der PLR orchestriere die Angriffe, ist eine Lesart – nicht ein belegter Sachverhalt. Was belegt ist: Der PLR hat ein strukturelles Interesse daran, dass die Mitte in der Waadt geschwächt bleibt. Dass ausgerechnet der Expertenbericht zur Dittli-Affäre in einem Moment erschien, als der Kantonsrat am empfindlichsten war, ist eine Gleichzeitigkeit, die mehrere Mitte-Parlamentarier nicht für zufällig halten. Beweise haben sie keine. Aber in der Politik ist das Motiv oft schon halb der Beweis.
Was auf der anderen Seite klar ist: Dass Dittli fehlerlos gehandelt hat, sagen selbst ihre Unterstützer nicht. Ein Expertenbericht nennt eine Zahlung von 10'000 Franken für einen Bericht «unverhältnismässig». Das Waadtländer Verwaltungsgericht prüft. Ein separates Verfahren wegen Amtsmissbrauch läuft seit Oktober 2025. Das ist kein Freispruch.
Meine Beurteilung: Die Affäre Dittli ist in Wahrheit zwei Geschichten. Die eine handelt von einer Staatsrätin, die einen fragwürdigen Entscheid traf und dafür politisch bezahlt. Die andere handelt von einer Partei, die zwischen Bundesbern und Waadt, zwischen nationalem Ehrgeiz und kantonaler Schwäche, zwischen Loyalität und Kalkül laviert. Beide Geschichten sind wahr.
Dass der PLR ein Interesse an Dittlis Schwächung hat, ist plausibel. Dass die Mitte genau weiss, was auf dem Spiel steht – und trotzdem schweigt – ist die klarste Aussage dieser Affäre. Das Schweigen hat einen Namen. Es heisst: Strategie.
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