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Dittli: Die Mitte schützt ihren Sitz, nicht ihre Regierungsrätin

Aktualisiert: 5. Mai



Das Waadtländer Kantonsparlament hat mit 72 zu 5 Stimmen eine Resolution überwiesen, die Valérie Dittlis Rücktritt fordert. Die eigene Partei hat ihr das Vertrauen ausgesprochen – «für die Fortsetzung ihrer Amtszeit». Die endet in weniger als einem Jahr. Das ist das Doppelspiel der Mitte. Es ist sehr präzise.


Die Fakten: Ein Expertenbericht des ehemaligen Kantonsrichters Jean-François Meylan kommt zum Schluss, dass Dittli als Landwirtschaftsministerin einem ehemaligen Kommissionspräsidenten ein Mandat über 10'000 Franken verschafft hat. Im Gegenzug zog dieser seine Klage wegen Verleumdung und Amtsmissbrauch zurück. Meylan nennt die Vergütung «unverhältnismässig» – für einen Bericht, der höchstens 15 Stunden Arbeit erfordert hätte. Der Staatsrat hat den Bericht an die Waadtländer Staatsanwaltschaft weitergegeben. Für Dittli gilt die Unschuldsvermutung.


Die Details: Dittlis Koalitionspartner FDP und SVP schliessen eine weitere Zusammenarbeit aus. Der Staatsrat beschreibt das Vertrauensverhältnis als «beeinträchtigt» – will aber bis Legislaturende «so geschlossen wie möglich zusammenarbeiten». Eine Ersatzwahl würde der Linken Chancen eröffnen. Das ist der eigentliche Grund für die Schonfrist.


Die Krisensitzung der Mitte Waadt fand im «La Treille» statt – Rebspalier auf Deutsch. Rund 20 Parteistrategen berieten stundenlang. Das Ergebnis war einstimmig: Vertrauen bis Ende Amtszeit, Entscheidung über Kandidatur bis Sommer 2026 erwartet.


Dittli selbst äusserte sich nicht öffentlich. Aus ihrem Umfeld war zu hören, sie sei zufrieden mit der Positionierung ihrer Partei. Das schlimmste Szenario – Rücktrittsforderung der eigenen Partei – ist ausgeblieben.


Das Problem: Dittli ist 33 Jahre alt. Sie ist neben Nationalrätin Isabelle Chappuis die einzige profilierte Figur der Waadtländer Mitte. Im Kantonsrat ist die Partei nicht vertreten. Auf dem Land, so ein FDP-Politiker hinter vorgehaltener Hand, hätte sie durchaus Chancen auf eine Wiederwahl – die Bauern interessieren sich weniger für ihre Affären als für ihre Politik als Landwirtschaftsministerin.


Die Nationale Mitte schweigt. «Eine kantonale Angelegenheit», lautet die Devise – während man in Bern die Situation genau beobachtet. Ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen steht im bevölkerungsmässig drittgrössten Kanton einiges auf dem Spiel.


Ob der Expertenbericht strafrechtliche Konsequenzen hat, ist offen. Ein separates Verfahren wegen Amtsmissbrauch läuft bereits seit Oktober 2025.


Meine Beurteilung: Die Mitte hat solidarisch erklärt, hinter Dittli zu stehen. Der Sitz ist bis Februar sicher.


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