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52 Prozent Ja. Die FDP-Basis sagt Ja. Was die Umfrage wirklich zeigt.

Aktualisiert: 5. Mai



52 Prozent der Schweizer würden heute Ja zur 10-Millionen-Initiative sagen. Das ist das Ergebnis der ersten Tamedia-Umfrage – und es ist überraschend, aber nicht wegen der 52 Prozent. Überraschend ist, dass 54 Prozent der FDP-Basis der Initiative zustimmen würden, obwohl die FDP die Nein-Kampagne anführt. Das ist kein Messrauschen. Das ist eine Partei, die mit sich selbst streitet – sechs Wochen vor dem Abstimmungstag.


Die Fakten: Die Umfrage des Instituts LeeWas im Auftrag von Tamedia/20 Minuten, durchgeführt am 22. und 23. April mit 16'176 Teilnehmern, ergibt: 52 Prozent Ja, 46 Prozent Nein, 2 Prozent unentschlossen. SVP-Basis: 96 Prozent Ja. FDP-Basis: 54 Prozent Ja. Mitte-Basis: 47 Prozent Ja, 50 Prozent Nein – auf der Kippe. Linksgrün: klares Nein.


Die Details: Drei Gräben zeigen sich. Stadt gegen Land: Städte 55 Prozent Nein, Land 57 Prozent Ja. Einkommen: unter 4'000 Franken monatlich 61 Prozent Ja, über 16'000 Franken 53 Prozent Nein. Alter: Die Altersgruppe 35-49 Jahre am stärksten pro Initiative (59 Prozent Ja) – ausgerechnet die, die Dichtestress, Wohnkosten und Schulkinder täglich erlebt. Einzig die über 65-Jährigen lehnen die Initiative klar ab (65 Prozent Nein).


Die Initiative ist auch seit März gewachsen: von 45 auf 52 Prozent Ja-Anteil. Das ist eine Bewegung von sieben Prozentpunkten in sechs Wochen – in die falsche Richtung für die Gegner.


Der Haken: Wie der «Bundeshaus Insider» berichtete, kämpft die SVP bei dieser Initiative ohne Koalition. Autonomiesuisse, Kompass Europa, Bauernverband – alle halten sich zurück. Das war die strategische Analyse vom 27. April. Die Umfrage bestätigt sie zur Hälfte: Die SVP ist tatsächlich auf ihre Kernwählerschaft zurückgeworfen. Aber diese Kernwählerschaft ist grösser als gedacht – weil Teile der FDP- und Mitte-Basis mitlaufen.


Das ist die neue Erkenntnis. Die SVP kämpft nicht allein. Sie kämpft mit Wählerinnen und Wählern, die ihrer eigenen Parteispitze nicht folgen.


Meine Beurteilung: Politologe Fabio Wasserfallen hat recht, wenn er sagt, die Initiative wirke wegen ihrer aufgeschobenen Wirkung abstrakt und harmlos. Aber das erklärt nicht die sieben Prozentpunkte Zuwachs seit März. Es gibt eine echte Stimmung. Dichtestress, Wohnungsknappheit, volle Züge – das sind keine SVP-Erfindungen.


Die Gegner haben sechs Wochen. Sie müssen einen anderen Weg finden als Economiesuisse-Stellungnahmen. Pascal Couchepin hat recht: Es braucht persönlichen Kontakt. Das ist keine Strategie. Das ist Geständnis, dass die bisherige Kampagne gescheitert ist.


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