Zivildienst: 46 zu 46. Die eigentliche Frage stellt sich niemand.
- Yannick Güttinger

- 6. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Die Fakten: Am 14. Juni stimmt die Schweiz über zwei Vorlagen ab. Eine beherrscht alles. Die andere läuft unter dem Radar. Dabei sind die sechs Verschärfungen des Zivildienstgesetzes, über die das Volk entscheidet, nicht harmlos – und die Ausgangslage ist offen: Laut einer Tamedia/Leewas-Umfrage wollen 46 Prozent die Verschärfung annehmen, 46 Prozent ablehnen. Acht Prozent sind unentschieden.
Die Details: Was Bundesrat und Parlament mit der Revision wollen: Wer nach der Rekrutenschule vom Militär in den Zivildienst wechseln will, soll künftig mindestens 150 Diensttage im Zivildienst absolvieren müssen — unabhängig von den verbleibenden Resttagen in der Armee. Wer seinen Militärdienst bereits vollständig geleistet hat, soll gar nicht mehr wechseln können. Die Zulassungen sollen von über 7'000 auf rund 4'000 pro Jahr sinken.
Die Zahlen, die das Begehren begründen: 7'211 Personen wechselten 2025 – Jahresrekord. Mehr als ein Drittel davon nach bestandener Rekrutenschule. Die Armee verliert damit ausgebildete Soldaten.
Das Nein-Komitee — SP, Grüne, GLP, Kleinbauernvereinigung, Zivildienstverband Civiva — präsentierte heute seine Argumente. Kern: Die Armee wird durch die Verschärfung nicht attraktiver. Junge, die keinen Militärdienst wollen, werden sich häufiger auf dem medizinischen Weg ausmustern lassen. Das Resultat: weder Soldaten noch Zivildienstleistende — schlicht weniger Engagement.
Der Haken: Die Verschärfung bekämpft das Symptom. Das Problem ist ein anderes.
Der Bundesrat hat in der Botschaft festgehalten, dass die Armee beim Effektivbestand einen Überbestand hat. Nicht einen Mangel. Einen Überbestand. Gleichzeitig haben Spitäler, Schulen, Landwirtschaft und Naturschutz strukturelle Abhängigkeiten von Zivildienstleistenden aufgebaut, die sich nicht mit einer Abstimmung auflösen lassen.
Was die Befürworter sagen: Dass viele nicht aus Gewissenskonflikten wechseln, sondern aus Opportunismus. Oberst Stefan Holenstein (VMG) nennt es «reine Opportunismus-Wechsel». Das mag stimmen. Die Frage ist, ob Schikane die richtige Antwort auf mangelnde Attraktivität ist.
Der eineinhalbmal längere Zivildienst — das geltende Prinzip des «Tatbeweises» — war die Lösung für genau dieses Problem nach der Abschaffung der Gewissensprüfung 2009. Er hat funktioniert. Nur nicht so, wie die Befürworter gehofft hatten.
Meine Beurteilung: Die Armee braucht bessere Rekrutierung, bessere Führungskultur, bessere Bedingungen. Was sie durch diese Vorlage bekommt, sind weniger Zividienstleistende – und im besten Fall etwas mehr Soldaten, die innerlich nicht dabei sind. Das ist kein Gewinn. Das ist Buchhaltung.
Fehler gefunden? Jetzt melden: redaktion@bundeshausinsider.ch










Kommentare