Das neue IT-System der Arbeitslosenkassen funktioniert nicht. Vier Monate nach Einführung schreiben Sachbearbeiter Briefe von Hand.
- Yannick Güttinger

- 27. Apr.
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Mai
Das neue Auszahlungssystem der Schweizer Arbeitslosenkassen, eingeführt am 6. Januar 2026, funktioniert vier Monate später noch immer nicht. Sachbearbeiter schreiben Briefe von Hand, scannen sie ein und laden sie dann ins System hoch – weil das System nur Standardfälle kennt. Wer zahlt die Rechnung? Die Versicherten, die auf ihr Geld warten.
Die Fakten: Das System heisst ASAL 2.0, basiert auf SAP und ist seit Einführung instabil. Allein im April fielen über neun Tage hinweg wichtige Funktionen aus – jene, über die Versicherte Dokumente hochladen können. Tausende Dossiers waren betroffen.
Die Details: Die Folgen sind messbar. Schaffhausen stockt das Personal um 27 Prozent auf. Luzern hat 13 neue Vollzeitstellen geschaffen, acht davon unbefristet. In Genf hat die Gewerkschaftskasse SIT den Personalbestand um 20 Prozent erhöht. Der Walliser Kassendirektor rechnet schweizweit mit 200 Neueinstellungen. Das Seco hat keine Schätzung der Folgekosten.
Und die Kommunikation? Seco-Direktor Jérôme Cosandey erklärte Anfang April, das System laufe «stabil und funktioniert zuverlässig». Zu diesem Zeitpunkt war die Hochladefunktion bereits seit sechs Tagen ausgefallen.
Der Haken: Das System kennt keine Behelfslösungen. Was das in einer Krise bedeutet – einem Lockdown wie März 2020, als 44'000 Betriebe Kurzarbeit anmelden mussten – haben Kassenmitarbeiter bereits berechnet. Das Ergebnis: Sie wären aufgeschmissen.
Mehr Vorschriften, mehr Bürokratie, mehr Kosten – für wen? Für den Kanton, der aufstockt. Für den Versicherten, der wartet. Für den Staat, der ein System bestellt hat, das nicht liefert. Das Seco hat einen Plan: Die Textgeneratoren werden verbessert. Nach der Hypercare-Phase im Juni.
Das ist nicht Zeitschinderei. Das ist Kategorie darunter.
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